Neben dem im Unterricht bereits besprochenen weltweit bedeutendsten Umsiedelungsprojekt Transmigrasi - gibt es auch noch einige kleine Projekte. Regierungen versuchen fast überall zu dichtbesiedelte Räume durch Umsiedelungen zu entlasten und anderen Gebieten, die kaum Bedeutung haben, eine Chance zu geben. Ein wichtiges Beispiel dafür ist das Transamazonica-Projekt in Brasilien:
In den 70er-Jahren war das Amazonasgebiet weitestgehend unbesiedelt und wirtschaftlich kaum erschlossen. Die brasilianische Regierung entschloss sich daher eine Agrarkolonisation in diesem Gebiet unter dem Slogan „Land ohne Menschen für Menschen ohne Land“ aufzubauen und insbesondere Kleinbauern und landwirtschaftliche Großbetriebe anzusiedeln. Der Flächenanteil des Amazonas beträgt rund 60% von Brasilien, aber nur 4% der Gesamtbevölkerung leben dort.

Die wichtigsten Ziele dabei sind:

    - Nutzung des wirtschaftlichen Raum-Potentials
    - Dauerhafte Raumbesiedelung
    - Geopoltische Stärkung (Brasilien)
    - Intensive landwirtschaftliche Produktion
    - Exportsteigerung und erhöhte Deviseneinnahmen

Dafür wurden Menschen aus den überbesiedelten Küstenregionen und dem oft unter Dürre leidenden Nordosten in das Amazonasgebiet umgesiedelt.
Durch das sog. Transamazonica-Projekt wurde zuerst die Ost-West-verlaufende Transamazonica (Straße durch Brasilien) und die Nord-Süd-verlaufende Fernverkehrstraße Santarém/Cuiabá gebaut. Daran anschließend folgte die Planung und der Bau von Siedlungsprojekten entlang der Fernverkehrsstraße (ländl. + städt. Siedlungen). Die Transamazonica des Regenwalds sollte schließlich eine Länge von 5.600 km erreichen und den Menschen im Hinterland die Möglichkeit geben sich an den lokalen Märkten zu beteiligen. Die Trasse führt vom Atlantikhafen Joao Pessoa bzw. von Recife bis zum Pazifik (Peru).

bild1.jpg
Abb. 1: Größenvergleich (Transamazonica und Europa)

Jeder Neusiedler erhielt ein einfaches Holzhaus mit einem Garten, den sie für die Viehhaltung und den Gemüseanbau nutzen sollten, eine Fläche von 100 ha für den Ackerbau und von der Banco do Brasil die Möglichkeit einen Kredit aufzunehmen. Die Regierung hat kleinbäuerliche Ortschaften, die jeweils 200-400 Personen umfassen, geplant. Diese sog. Agrovila ist mit einer Grundinfrastruktur ausgestattet und besitzt daneben eine ländliche Grundschule, eine medizinische Versorgungsstation, einen Möglichkeit zum Einkaufen, eine Kneipe und einfach Sporteinrichtungen. Ziel war es ca. eine Million Menschen in diesem Gebiet sesshaft zu machen.

bild2.jpg
Abb. 2: Schema der geplanten Flurformen

Allerdings erzielte dieses Projekt nur einen mäßigen Erfolg, da zahlreiche, für die Siedler nur sehr schwer lösbare Probleme auftraten:

    - Starke Schädigung des kurzen Nährstoffkreislaufs zwischen Tropenwald u Boden
    - Brandrodung!
    - Gefährdung für Regenwald (Sauerstoffregeration)
    - sinkende Ertragskraft und mangelnde Bodenqualität
    - zunehmende Erosionsanfälligkeit
    - mangelnde Kenntnisse über Zusammenhänge zwischen Natur u. Landwirtschaft
    - zu wenig Kapital
    - schlecht ausgebaute Infrastruktur
    - vermehrtes Auftreten von tropischen Krankheiten (Seuchen, etc.)

Dies hatte zufolge, dass eine Vielzahl der gestarteten Projekte scheiterten und die Siedler wieder zurück in die Küstengebiete wanderten und nur noch ein paar Bauern entlang der Transamazonica leben und Landwirtschaft betreiben. Von der geplanten Million Menschen leben heute nur rund 700.000 dort.

Quellen:
http://www.uni-muenster.de/CeLA/publik/Ah/ArbHeft70.pdf
http://www.lerntippsammlung.de/Tranzamerzonika.html

Veröffentlicht von Verena