Die Metropolregion Tokio
Themengebiet(e): Unterricht - aktuell 1 Kommentar »Tokio ist, und bleibt langfristig der mit Abstand größte Ballungsraum der Welt.
Für die Metropolregion Tokio ergibt sich in einem Raumradius von 50 km eine Einwohnerzahl von 30,5 Millionen Menschen (entspricht 25% der Gesamtbevölkerung Japans im Jahr 1995). Diese enorm hohe Zahl der Einwohner (1955 lag diese bei 15,4 Millionen, 1975 schon bei 27 Millionen und schließlich im Jahr 1995 bei 32,6 Millionen) ist mit der wirtschaftlichen Entwicklung Japans ab Mitte der 50er Jahre zu erklären. Die Bevölkerung nimmt derzeit zwar nur noch gering zu - durch natürliches Wachstum bei gleichzeitig stagnierenden Tendenzen des Wanderungssaldos -, dennoch wird für die Metropolregion Tokio ein weiteres Anwachsen der Bevölkerung auf 35 Millionen Einwohner bis zum Jahr 2015 prognostiziert.
Bis weit über diese Zeit hinaus wird Tokio mit weitem Abstand vor Bombay, Sao Paulo, Shanghai, New York und Mexiko City der weltweit größte urbane Agglomerationsraum bleiben. Die Konzentration auf die Hauptstadt ist auch durch den ausgeprägten Zentralismus des japanischen Staatswesens zu erklären. Dieser bindet nicht nur die höchsten staatlichen Organe (Regierung, Parlament, Ministerien, …) an die Hauptstadt, sondern zieht auch die Ballung wirtschaftlicher Macht nach sich. Von den Unternehmen mit einem Kapital von mehr als einer Milliarde Yen haben 59% ihre Hauptverwaltung in der City-Tokio, bei den ausländischen Niederlassungen sind es sogar knapp 90%, was zu einer prägenden Dominanz des Banken-, Finanz- und Informationswesens sowie der produktionsorientierten Dienstleistungen führt.
Diese enorme Bevölkerungsdichte führt unweigerlich zu Problemen:
- Flächenknappheit und Raumenge im Stadtbezirk Toshima-ku 20000 E./km
- Exorbitant hohe Boden-, Immobilien-, und Mietspreise (In der Zeit der „Seifenblasenwirtschaft“ im Zentrum Tokios galten Preise bis zu 0,5 Millionen Euro als „normal“ bei einer Entfernung von 10 km vom Zentrum.)
- Mangelnde Grün- und Erholungsflächen Tokio: 4.5 m „Parkfläche“ pro Kopf; im Vergleich dazu London: 30,4 m
- Hohe Umweltbelastung
Insgesamt ist zu sagen: Die starke Konzentration hochrangiger Dienstleistungsfunktionen im Zentrum Tokio hat nicht nur die Pendlerzahlen und Pendlerdistanzen vergrößert, sie hat dort auch zu einer “Aushöhlung” und Überalterung der Wohnbevölkerung sowie zu einer Zerstörung vormals intakter lokaler Infrastruktur geführt. Die damit einhergehenden Probleme sind für die Stadt Tokio gravierend, erscheinen jedoch im Vergleich zu denen in westlichen “Global Cities” als eher harmlos.
Quelle: http://www.uni-duisburg.de/Institute/OAWISS/download/doc/paper15.doc
Veröffentlicht von Sebastian








