3-Schluchten-Damm (Ziele und Folgen)
Unterricht - aktuell Oktober 16th, 2006Mehr oder weniger abschließend zum Themengebiet China, möchte ich noch einmal detaillierter auf das wohl größte Projekt im Sinne der Landschaftsveränderung in China, wenn nicht sogar weltweit, eingehen: Der 3-Schluchten-Staudamm. Vor allem werden im Folgenden eher die vorgesehen Ziele, die aus dem Bau entstandenen Folgen und die herrschenden bzw. aufkommenden Missstände erläutert, anstatt des Damms Daten und Maße aufzuführen.

Ziele:
- Kontrolle der Überschwemmung
Aufgrund von ca. 3 Millionen Flutopfer im letzten Jahrhundert, sieht die chinesische Regierung einen Hauptgrund für den Bau des Dammes in der Überschwemmungsprävention. Die Staumauer soll die durch heftige Regenfälle anfallenden Wassermassen aufhalten und auspuffern, damit den Menschen am unteren Flussverlauf keine Katastrophen in dieser Form mehr blüht. In China gab es in den letzten 15 Jahren sechs Überschwemmungen, wobei die letzte “Jahrhundertflut” 1996 war und über drei Mio. Helfer benötigte um die Schäden noch einigermaßen in Grenzen zu halten.
- Deckung eines grossen Teils des Energiebedarfs in China
China ist eines der aufstrebensten Länder weltweit und ein solcher Aufschwung hängt unumgänglich mit einer erhöhten Nachfrage nach Energie/Strom zusammen. Um wenigstens einen Teil davon in einer Region durch “saubern” Strom neu abzudecken, dienen die im Staudamm integrierten 26 Turbinen, die dann, nachdem die Aufstauung abgeschlossen ist, eine Leistung von 84 Milliarden kWh (700MW à Turbine = 18.200MW; größte Anlage der Welt, entspricht ca. 16 AKWs) haben werden. Der Verbrauch der chiniesen im internationalen Schnitt ist zwar noch sehr niedrig (lediglich 1/10 dessen, was ein Amerikaner verbraucht), aber ein Blick zurück zeigt die wahrscheinlich in Zukunft herrschende Nachfrage: 1985 wurde das 13-fache an Energie verbraucht als 1957. Da sich dieser Trend mit aufkommenden Wohlstand wohl fortsetzen wird, kommt die Energieerzeugung des Staudamms sehr recht.
- Förderung des Schiffsverkehrs
Bisher war Schiffsverkehr auf dem Jangtsekiang stark eingeschränkt, da der Tiefgang der größeren Transportschiffe für den Fluss zu tief war und die Schluchten zu eng. Durch den Staudamm steigt die Wassertiefe erheblich an, die Schluchten werden nach oben hin breiter und es ist nun sogar 10.000-Tonnen-Schiffen möglich auf dem Stausee zu verkehren, was eine erhöhte Attraktivität der anliegenden Hafenstädte wie in Chongqing zur Folge hat.
- Verbesserung der Wasserversorgung
Da in großen Teilen Chinas enormer Wassmangel herrscht, was u.a. in Marias Artikel nachzulesen ist, hat die chinesische Regierung geplant, das Staudamm-Projekt mit einem weiteren Zusatz auszustatten: Wasserversorgung des dürstenden Nordens. Die Bevölkerung und Industrie nimmt stets zu und somit auch die Wassernachfrage. Peking z.B. soll über ein Wasserleitungs- und Pumpsystem mit dem kostbaren Gut aus dem Jangtsekiang versorgt werden und bis 2010, so die Schätzung, sollen ca. 48 Mrd. m³ Wasser (Zum Vergleich:Der Rauminhalt des Bodensees beträgt nur knapp mehr: 48,5 Mrd. m³) die Städte erreichen.
Missstände:
Bei diesem Punkt kann man nicht immer einen Punkt nach dem anderen seperat auflisten, da zum Einen manche ineinander verstrickt sind und zum Anderen welche bis heute noch nicht in ihrem Ausmaß absehbar sind.
Beispielsweise die “Gegensätze” Flutkontrolle und Energiegewinnung: Soll beim Staudamm eine maximale Energieausbeute herrschen, so muss der Pegelstand bis zur Obergrenze reichen um die Turbinen auf voller Leistung zu fahren, wobei dann der Staudamm nicht als Puffer bei starken Regenfällen dienen kann und deswegen die früheren Überschwemmungen, die man ja angeblich verhindern möchte, nicht vermeiden könnte. Die Regierung hat bis heute noch keine Lösungen dafür gefunden bzw. hat bisher nicht dazu Stellung bezogen. Würde man sich aber dafür entschließen den Staudamm als Puffer zu nutzen, so, anderen Forschern zufolge, hat man dabei nicht bedacht, dass der Jangtsekiang noch viele weitere Nebenflüsse hat, die nicht durch den Damm abgesichert sind. Diese könnten weiterhin Überflutungen mit sich bringen, wahrscheinlich nicht in den Ausmaßen wie bisher, aber dennnoch verheerend für die Menschen in jenen Gebieten. Da ich schon bei den Problemen für die Bevölkerung bin: Ein großer Nachteil bei diesem Projekt ist die gewaltige Zwangsumsiedlung von ca. 2Mio. Menschen in 14 Städten, 140 Kleinstädte, 660 Fabriken und jahrtausend alte Kulturdenkmäler/Sehenswürdigkeiten, welche ca. 13% aller in Chinas ausmachen. Die Entschädigung für die überwiegend aus Bauern bestehenden Chinesen wird, nach Expertenmeinungen, nicht sehr gut ausfallen. Zum einen wird die v.a. in N-W-China gestellte, neue Behausung nicht den gleichen Standart haben und zum anderen wird das Land nur 1/5 des Ertrages vom nährstoffreichen Schwemmland einbringen. Der Schadensersatz von umgerechnet 3.000€ wird wahrscheinlich auch nicht beim Vertriebenen ankommen, da sie sich womöglich in korrupten Machenschaften verlaufen. Ein wichtiges Hauptproblem stellt aber auch der gewaltige Eingriff in die Natur dar. Durch die Aufstauung wird vielen Lebewesen der Lebensraum genommen. Davon betroffen sind über 2.800 Planzenarten, 300 Fischarten und auch 22 Tierarten stehen auf der roten Liste. Der Fischbestand an sich wird auch stark zurückgehen. Wohl auch ein Resultat aus der Verschlechterung der Wasserqualität durch die Überflutung von giftigen Flächen wie z.B. die 178 Müllgruben.
Da es noch viele weitere Probleme bei dieser Thematik gibt, ich aber dadurch wahrscheinlich hier den Rahmen sprengen würde, möcht ich langsam zu einem Ende kommen, wobei ich aber abschließend noch sagen will, dass dieses Staudamm-Projekt seine positiven, sowie auch negativen Seiten hat und man diese hätte gründlicher Abwiegen und planen sollen, doch muss man auch einsehen, dass die chinesische Regierung durch den gewaltigen Aufschwung des Landes wahrscheinlich auch sehr unter Zugzwang leidet und dafür so manche “kleinere Übel” einsteckt…
Quellen:
- http://www.bbm-kreuzlingen.ch
- http://www.herrmann-neuffen.de/Michael/uni/sanxia/sanxia.doc
- http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/34011/
- http://www.bp-reiseberichte.de/china/drei_schluchten_staudamm.htm
- http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China#Energiepolitik
- http://www.irn.org/programs/threeg/
Veröffentlicht von Muf
