Gründe für die industrielle Großmachtstellung der USA
Unterricht - aktuell Juni 12th, 2006Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die führende Industriemacht der Erde. Dass dabei der Wandel von der traditionellen Schwerindustrie zur High-Tech-Industrie eine wichtige Rolle spielte, wurde uns durch die Referate über den Manufacturing Belt und Silicon Valley klargemacht. Doch verdankt die USA auch hervorragenden Standortvorteilen und anderen günstigen Einflüssen ihre Stellung.
- So ist ein Standortvorteil der Reichtum an Bodenschätzen. So kommen große Anteile der Steinkohle-, Erdöl-, Erdgas-, Silber-, Kupfer-, Phosphat- und Uranförderung der Welt aus den USA. Dies begünstigt natürlich verschiedenste Zweige der Industrie. An den Bodenschätzen sieht man aber auch , dass sehr viele Energieträger enthalten sind. Dies zeigt, dass das Energieangebot in den Vereinigten Staaten sehr gut ist, denn es gibt nicht nur reiche Steinkohle-, Erdöl- und Erdgasvorkommen, aus denen Energie erzeugt wird, sondern auch ein dichtes Gewässernetz, bei dem man die Wasserkraft nützt. Dabei waren natürlich anfangs die reichen Steinkohlevorkommen im westlichen Pennsylvania für den Manufacturing Belt von besonderer Bedeutung, da Pennsylvania eine ziemlich zentrale Lage im Manufacturing Belt einnimmt.
- Ein weiterer Vorteil war die sehr leistunsstarke Landwirtschaft. Diese versorgte die USA von Anfang an nicht nur mit Lebensmittel, sondern auch mit Rohstoffen zur Weiterverarbeitung. Denke man zum Beispiel an Baumwolle, welche im Süden angepflanzt und hauptsächlich im Manufacturing Belt verarbeitet wurde und damit den Gattinen der in der Schwerindustrie beschäftigten Männer Arbeit bescherte. Somit bildete die Landwirtschaft eine solide Basis für die restliche Wirtschaft.
- Die standardisierte Massenproduktion (auch Fordistisches Wirtschaftssystem genannt) diente zur Beschäftigung vieler qualifizierter und weniger qualifizierter Menschen. Dadurch entstand ein breiter Wohlstand und damit eine große Kaufkraft, also ein großer Binnenmarkt. Dies steigerte letztendlich die Nachfrage nach Gütern aller Art und den Zwang, immer mehr und immer bessere Produkte zu erzeugen. Somit wurde der große Binnenmarkt zu einem bedeutenden Motor für die Industrialisierung.
- Desweiteren kam es vor allem zwischen 1870 und 1920 zu einer sehr starken Einwanderung; es wanderten über 20 Mio. Menschen ein. Die mittellosen und ungebildeten Einwanderer waren billige Arbeitskräfte, während wohlhabende und gebildete Einwanderer das Risiko auf sich nahmen und Betriebe aufbauten.
- Die “European-style, big government economy”, das heißt eine staatlich überregulierte Wirtschaft wird in den USA abgelehnt. So ist im Gegensatz zur europäischen sozialen Marktwirtschaft die Wirtschaftspolitik in den USA vom Liberalismus geprägt. Man vertraut auf die Selbstregulierung des Marktes, in dem Angebot und Nachfrage über Preis und Produktion bestimmen. Staatliche Eingriffe erfolgen nur im Notfall. Dadurch ist jede Art von Privatinitiative erlaubt. Es kommt zu einer raschen Anpassung an Binnen- und Weltmarkt, neue Produktionstechniken setzten sich schnell durch, neue Produktionsformen entstehen und schnelle Strukturveränderungen kommen zustande. Desweiteren fördern wirtschaftsfreundliche Gesetze, Steuern, Schutzzölle und ähnliche Maßnahmen den Wirtschaftszuwachs.
- Der Fortschrittsglaube, also der Glaube an eine bessere Zukunft, das Vertrauen in die Machbarkeit der Dinge und das Streben nach persönlichen Gewinn ist in den USA viel stärker vorhanden als in Europa. Dieser Glaube bewirkt die Entwicklung immer billigerer und besserer Geräte, Methoden und Verfahren in den Bereichen Technik, Wissenschaft und Wirtschaft.
- Die Mobilität der amerikanischen Arbeitnehmer und Unternehmer ist ebenso höher als in anderen Ländern. Amerikaner sind eher als Europäer bereit für den Beruf umzuziehen, wenn sich daraus wirtschaftliche Vorteile ergeben. Ein Amerikaner wechselt statistisch 14mal in seinem Leben seinen Wohnort. Dadurch kann ein Betrieb die Standortentscheidung flexibel und nach wirtschaftlichen Überlegungen treffen.
- Die USA verfügt über eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur. Einst erschloss man das Land mit der Transkontinentalbahn, die später von der Industrie genutzt wurde. Heute ist die USA von einem sehr dichten Straßen- und Schienennetz durchzogen. Ebenso sind viele Binnenwasserstraßen und Pipelines vorhanden. Darüber hinaus weisen die USA das weltweit dichteste Netz an Kommunikationsmitteln auf (Telefon, Fax, Internet).
- Viele Unternehmer erhielten zudem Unterstützung von Universitäten bei Firmengründungen. So durften diese Unternehmen ihre Betriebe auf dem Gelände der Universitäten errichten und waren so immer mit der Forschung der Universitäten verbunden, wodurch eine Zusammenarbeit entstand. 1939 unterstütze die Universität von Stanford die Gründung von Hewlett-Packard.
Dies sind die Hauptgründe für die industrielle Erschließung des gesamten Kontinentalraums, die um die Mitte des 20. Jahrhunderts abgeschlossen war. Diese Aspekte katapultierte die USA an die Spitze der Industriemächte der Erde.
Quellen:
- Kreus, Arno; von der Ruhren, Norbert (2002): Fundamente Kursthemen. USA/Kanada, Russland/Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Klett-Perthes. Stuttgart.
- Dichtl, Hermann (2004): Geographie. Vorbereitung auf das Abitur. Manz-Verlag. Stuttgart.
- Gymnasium Landau (Thomas Wintersberger, Josef Hofmeister): Die Industrie der USA, www.gym-landau.de/ek/inh9/indusa.pdf, entnommen am 7.06.2006 um 12.22 Uhr.
Veröffentlicht von Markus
