Nachdem Melli in ihrem Referat im Zusammenhang mit dem Transmigrasiprojekt in Indonesien von der sogenannten „Javanisierung“ gesprochen hat, einer Überfremdung der einheimischen Bevölkerung auf den indonesischen Außeninseln, möchte ich in diesem Artikel etwas genauer die Hintergründe für diesen „ideologischen Graben“ zwischen Java und der Peripherie und die daraus resultierenden Konflikte beleuchten:
Indonesien scheint auf den ersten Blick eine relativ ungeordnete Ansammlung von unzähligen großen und kleinen, besiedelten und unbesiedelten Inseln irgendwo zwischen Asien und Australien darzustellen. Beschäftigt man sich allerdings etwas genauer mit dem Inselarchipel, wird man erfahren, dass in der indonesischen Staatsphilosophie aber Begriffe wie „Einheit“ und „Geschlossenheit“ von ganz zentraler Bedeutung sind. So fasst der indonesische Wappenvogel beispielsweise ein Banner mit den Worten „Bhinneka Tunggal Ika“ - „Einheit in der Vielfalt“.
Diese betonte Gemeinschaftlichkeit ist geschichtlich zu begründen: Um sich nach dem zweiten Weltkrieg von der Kolonialmacht, den Niederländern, loszueisen und die eigene Unabhängigkeit zu erreichen, galt es für das Inselreich als eine Nation aufzutreten. Auch das Grundgesetz Indonesiens- als Provisorium gedacht- entstand in ständiger Furcht vor den Holländern unüberlegt, spontan und mit autoritären, zentralistischen Zügen: Java wurde der alleinige Anspruch auf Vertretung zugesprochen. 1949 errang Indonesien zwar dann tatsächlich seine Unabhängigkeit, aber die provisorische Verfassung blieb weitgehend unverändert erhalten. Zentralistische Strenge und ein straff organisiertes Militärregime unter Suhartos (1966-1998) verstärkten seither die wirtschaftlichen und ideologischen Disparitäten zwischen Java und den umliegenden Außeninseln der Peripherie.
Durch das staatlich geförderte Umsiedlungsprojekt „Transmigrasi“ verlagerte man bisher Millionen von Javanern auf die dünn besiedelten Außeninseln und kleidet ausschließlich sie in einflussreiche Militär- und Verwaltungsämter ein. Auch die erwirtschafteten Güter aus der Peripherie werden Java zugesprochen, wohingegen den Gebieten außerhalb Javas neben den eigenen Rohstoffen auch Finanzmittel internationaler Organisationen vorenthalten bleiben. Javanische Wertvorstellungen sowie politische, religiöse und kulturelle Anschauungen werden den Einheimischen dort gewaltsam aufgezwungen. Dass diese javanische Vorgehensweise Wut bei den ansässigen Einwohnern entfacht und regionale Konflikte schürt, ist offensichtlich. Der so harmlos klingende Begriff der Javanisierung steht also in der Realität für eine radikale „Gleichschaltung und Bevormundung aus Jakarta“.
Quelle: www.weltpolitik.net