Archiv für Samstag, 14. Januar 2006

Samstag, 14. Januar 2006, nachmittags - Unterricht - aktuell

Java und die Peripherie - regionale Konflikte in Indonesien

Nachdem Melli in ihrem Referat im Zusammenhang mit dem Transmigrasiprojekt in Indonesien von der sogenannten „Javanisierung“ gesprochen hat, einer Überfremdung der einheimischen Bevölkerung auf den indonesischen Außeninseln, möchte ich in diesem Artikel etwas genauer die Hintergründe für diesen „ideologischen Graben“ zwischen Java und der Peripherie und die daraus resultierenden Konflikte beleuchten:

Indonesien scheint auf den ersten Blick eine relativ ungeordnete Ansammlung von unzähligen großen und kleinen, besiedelten und unbesiedelten Inseln irgendwo zwischen Asien und Australien darzustellen. Beschäftigt man sich allerdings etwas genauer mit dem Inselarchipel, wird man erfahren, dass in der indonesischen Staatsphilosophie aber Begriffe wie „Einheit“ und „Geschlossenheit“ von ganz zentraler Bedeutung sind. So fasst der indonesische Wappenvogel beispielsweise ein Banner mit den Worten „Bhinneka Tunggal Ika“ - „Einheit in der Vielfalt“.

Diese betonte Gemeinschaftlichkeit ist geschichtlich zu begründen: Um sich nach dem zweiten Weltkrieg von der Kolonialmacht, den Niederländern, loszueisen und die eigene Unabhängigkeit zu erreichen, galt es für das Inselreich als eine Nation aufzutreten. Auch das Grundgesetz Indonesiens- als Provisorium gedacht- entstand in ständiger Furcht vor den Holländern unüberlegt, spontan und mit autoritären, zentralistischen Zügen: Java wurde der alleinige Anspruch auf Vertretung zugesprochen. 1949 errang Indonesien zwar dann tatsächlich seine Unabhängigkeit, aber die provisorische Verfassung blieb weitgehend unverändert erhalten. Zentralistische Strenge und ein straff organisiertes Militärregime unter Suhartos (1966-1998) verstärkten seither die wirtschaftlichen und ideologischen Disparitäten zwischen Java und den umliegenden Außeninseln der Peripherie.

Durch das staatlich geförderte Umsiedlungsprojekt „Transmigrasi“ verlagerte man bisher Millionen von Javanern auf die dünn besiedelten Außeninseln und kleidet ausschließlich sie in einflussreiche Militär- und Verwaltungsämter ein. Auch die erwirtschafteten Güter aus der Peripherie werden Java zugesprochen, wohingegen den Gebieten außerhalb Javas neben den eigenen Rohstoffen auch Finanzmittel internationaler Organisationen vorenthalten bleiben. Javanische Wertvorstellungen sowie politische, religiöse und kulturelle Anschauungen werden den Einheimischen dort gewaltsam aufgezwungen. Dass diese javanische Vorgehensweise Wut bei den ansässigen Einwohnern entfacht und regionale Konflikte schürt, ist offensichtlich. Der so harmlos klingende Begriff der Javanisierung steht also in der Realität für eine radikale „Gleichschaltung und Bevormundung aus Jakarta“.

Quelle: www.weltpolitik.net

veröffentlicht von JuliaB
Samstag, 14. Januar 2006, Schlafenszeit - Unterricht - aktuell, Fundstücke

Jugendliche in Mega-Citys - ein Simulationsspiel

Die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GmbH (GTZ) hat ein Simulationsspiel zur Entwicklungshilfe programmiert und zum freien Download bereitgestellt. Dort heißt es zur näheren Erläuterung:

Sinn und Zweck dieses Simulationsspiels ist, die Komplexität von Interventionen in hochgradig vernetzten Sozialsystemen zu veranschaulichen. Gleichzeitig wird versucht aufzuzeigen, wie schwierig es ist, mit einem vorgegebenen Budget an Aktionspunkten ein Optimum bei der Zielerreichung zu realisieren.

Mitarbeitern der internationalen Entwicklungszusammen- arbeit kann die Simulation helfen, die Wechsel-, Rück-, Neben- und Fernwirkungen ihres Handelns besser zu verstehen.

Für “Außenstehende” mag der Reiz des Spieles darin bestehen, dass nicht nur die Beherrschung von Wirtschaftssimulationen, sondern auch die Beherrschung von hochkomplexen Sozialsimulationen systemorientiertes Denken und Handeln erfordert.

Das Spiel ist übrigens der bekannten Simulation ECOPOLICY hinsichtlich Aufbau und Funktionsweise zum Teil recht ähnlich.

Zur Nutzung benötigt man den sog. HERAKLIT-Player, den man hier downloaden kann. Desweiteren braucht man die Modell-Datei (Entwicklungshilfe_GTZ.mod) und die Szenariendatei (Entwicklungs- hilfe_GTZ.sze).
Beide Dateien können hier im Gesamtpaket abgerufen werden. (Beide Downloads müssen zunächst entpackt werden. Danach erfolgt die Installation des HERAKLIT-Players. Anschließend werden die Modell- bzw. Szenariendateien im Begrüßungsmenü des Players integriert.)

Viel Spass damit und gutes Gelingen!

veröffentlicht von A. Gohlke