Nach Mellis ausführlichem Referat über Transmigrationsprojekte in Indonesien blieb lediglich ein Punkt etwas unbelichtet. Denn was genau das sog. PIN-Projekt ist, was es vorschreibt und wie es sich entwickelt hat, das will ich kurz und knapp zusammenfassen:
Mit dem “Projekt der Nationalen Integration” (warum es dann nicht PNI heißt, das weiß ich auch nicht
) versucht der Staat, dass Bauern, Pächter und Landarbeiter aus den schlecht zu beschwirtschaftenden Regionen im Nordosten in bessere Regionen an den Fernstraßen wandern. Zielhauptregion war zunächst Transamazonika, das eine Fläche von ca. 64 000 qkm einnimmt und folgendermaßen gegliedert wurde:
In den ersten 10 km beiderseits der Straßen wurden Kleinbetriebe bis zu 100 ha angesiedelt, in den weiteren 100 km dann die Mittelbetriebe bis zu 3000 ha. Ab dort konnte der Rest für private Großprojete der Rinderfarmen und Forstwirtschaft genutzt werden und nach Genehmigung konnten dort Betriebe eine Größe bis zu 50 000 ha haben. Allerdings wurden alle drei Bereiche nur unter der Bedingung besiedelt, dass jeweils ein Waldanteil von 50 % vorhanden sein musste.
Bei der Siedlungsform einigete sich der Staat auf ein Modell einer dreistufigen Hierarchie, bei der die Siedlungen jeweils nach zentralen Funktionen abgestuft wurden.
1.Agrovila
- einfachste Grundausstattung, d.h. Elektrizität, fließendes Wasser, Sanitäreinrichtung
- 100-300 Familien
- Grundschule, Krankenhaus, Kaufladen, Kneipe, einfache Sportanlagen
=> dörflicher Charakter
2.Agropolis
- 300-600 Familien
- Verwaltungszentrum, d.h. Post, Polizei, Sekundarschule, Ärzte, Apotheke, größere Geschäfte
3. Ruropolis
- ca. 20 000 Einwohner
- Regionalzentrum
- wichtige soziale Einrichtungen, d.h. Kino, Theater, Bank, Gymnasium
Ursprünglich sollten durch das Projekt um die 1 Millionen Familien umgesiedelt werden, doch nur ein Bruchteil dieser blieb letztendlich. Der Rest wanderte aus den verschiedensten Gründen wieder ab. Vorallem aus den Agrovila, da die Bauern einen Fußmarsch bis zu 15 km zu ihrer Parzelle hatten und somit gleich dort eine Behausung suchten, anstatt zu ihrer Siedlung zurückzukehrern.
Weitere negative Aspekte des PIN-Projekts - neben den von Melli bereits aufgezählten - sind sowohl die schlechten Beratungen durch Argonome, als auch die wenig vorhandene oder völlig fehlende Erfahrung mit den dort geeigneten Anbauverfahren.
Aufgrund des Scheiterns des Projekts führte die Regierung dann ab Anfang der 80er Jahre eine weiters Projekt, das sog. Polonoroeste-Projekt ein, wodurch sie sich einen größeren Erfolg erhofften.
Quelle: http://www.naan.de/geographie/amazonas.html