Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan
Nachdem wir vergangene Woche in Bastis Referat von Konflikten im Sudan und in Ruanda erfahren haben und Herr Gohlke uns am Freitag auf die Problematik von Angola aufmerksam gemacht hat, möchte ich euch hiermit eine weitere „Krisenregion“, das weitgehend muslimische Gebiet Kaschmir, näher bringen.
Als zwei Monate nach der Teilung Britisch- Indiens 1947 Kaschmir der Indischen Union zugesprochen wird, kommt es erstmals wegen beidseitigem Anspruch auf diese Region zu bewaffneten Konflikten zwischen Pakistan und Indien. Mit der Vermittlung eines Waffenstillstands durch die Vereinten Nationen erfolgt zwei Jahre später eine klare Trennung: Der größte Teil des Himalajas gehört fortan zu Indien („Jammu und Kaschmir“), den Nordwesten beansprucht Pakistan (freies Kaschmir).
Dennoch bleiben auch in den 60er Jahren Konflikte nicht aus, so sendet Pakistan 1965 mehrere Tausend Bewaffnete in den indischen Teil Kaschmirs und der Terrorismus ist entfacht, politisch von den Kaschmir-Nationalisten herbeigeschworen. Der bewaffnete Kampf wird von der JKLF (Jammu Kashmir Liberation Front) übernommen. Seither findet die Region keinen Frieden mehr. Zwar gelingt unter der Anleitung der UdSSR im folgenden Jahr ein Friedensschluss, wenig später sorgt jedoch die Entführung einer Passagiermaschine (Indian Airlines) von Indien nach Pakistan für erneute Unruhe ebenso wie die Aufwertung der Waffenstillstandslinie zur „Line of control“ weiteren Vernetzungen der Terrorgruppe JKLF nicht entgegenwirken kann.
Es folgen Jahrzehnte der Entführungen (z. B. die Tochter des indischen Innenministers), Erpressungen und erzwungenen Terroristenfreilassungen, Erschießungen, Kämpfen und Gründungen neuer Terrorgruppen, z. B. die in Pakistan abgesetzte Verbindung Jaish- i- Mohammed (JIM), die diverse Regionalparlamente (z. B. Neu- Delhi) stürzen, Zivilisten töten, Selbstmordattentate begehen und seit einigen Jahren höchste Alarmbereitschaft auf beiden Seiten auslösen.
2004 baut man in Indien deshalb einen 500 Kilometer langen Sperrwall, der ausländische Terroristen aus dem indischen Kaschmir fernhalten soll.
Im Sinne des Weltfriedens schalten sich in jüngster Zeit auch ausländische Staaten ein, um die Konflikte in Kaschmir zu unterbinden: Ariel Sharon besucht 2003 beispielsweise als erster israelischer Regierungschef Indien, außerdem versucht man dort das Verhältnis zu Südasien und der USA zu verbessern. „Druck von amerikanischer Seite“ und „vertrauensbildende Maßnahmen“ zwischen Indien und Pakistan wie Flug- und Zugverbindungen, gemeinsame Film- und Kulturprojekte oder die Austragung von Sportturnieren (indische Kricketnationalmannschaft in Pakistan) sind zwar eindeutige Friedensignale, dennoch kommt es immer wieder zu Unruhen, wie etwa im Mai 2004 als bei einem Bombenanschlag 33 Personen sterben.
Für die Zukunft sind also weiter große Bemühungen für eine friedliche Lösung des Grenzkonflikts nötig.
Quelle: Spiegel Jahrbuch 2005. Zahlen. Daten. Analysen. Chronik des Kaschmir- Konflikts
