Archiv für Mittwoch, 20. Juli 2005

Mittwoch, 20. Juli 2005, früher Abend - Unterricht - aktuell

Chinesische Zensur im Internet

In China ist es Privatpersonen erst seit dem Jahr 1995 erlaubt, das Internet zu nutzen. Aus Angst vor regimefeindlicher Hetze hat die chinesische Regierung jedoch ein ausgekügeltes Überwachungssystem entwickelt. Beispielsweise müssen sich die Benutzer der zahlreichen Internetcafés immer ausweisen und werden von Videokameras und Mitarbeitern ständig überwacht, denn die Betriebe sind dazu verpflichtet unerwünschte Nutzungen zu melden, da sie sonst selbst zur Rechenschaft gezogen werden können.
Außerhalb der Internetcafés durchsuchen mehrere zehntausend Staatsbedienstete und unzählige Freiwilllige das Netz nach staatsfeindlichen Äußerungen und Websites, welche sofort gesperrt werden oder sogar ganz verschwinden, wie es einer Seite über die Befreiung Tibets erging.
Gesperrt sind ebenfalls Seiten, wie die von Amnesty International, Human Rights in China und Human Rights Watch, genauso wie die Internetarchive der großen westlichen Tageszeitungen. Auch Suchmaschinen, wie Google, sind betroffen. Wer beispielsweise nach Stichworten wie ‘Menschenrechte und China’ sucht, erhält keine Verweise.
Die dazu benötigte Filtersoftware wird nicht von einheimischen Unternehmen geliefert, sondern zumeist von westlichen Firmen wie Sun Microsystems und Cisco Systems, die nur auf den eigenen Profit bedacht sind.
Wer dabei erwischt wird, eine der über 60 Bestimmungen über die Internetnutzung zu brechen, muss mit harten Strafen rechnen, im schlimmsten Fall sogar mit Hinrichtung. Trotzdem gibt es immer mehr, die dabei helfen die Machenschaften der chinesischen Regierung aufzudecken und das mit teilweise beachtlichen Erfolgen. 2001 beispielsweise konnten chinesische Bürger einen Vertuschungsversuch der Regierung aufdecken, bei dem es um den Tod von 38 Kindern und vier Erwachsenen ging. Sie waren bei einer Explosion einer Feuerwerkfabrik ums Leben gekommen. Der Premierminister Zhu Rongji hatte zunächst einen Dorfbewohner für das Unglück verantwortlich gemacht, jedoch drang durch das Internet die Wahrheit ans Licht, nämlich dass korrupte Lehrer und Geschäftsleute die Kinder zwangen, ihr Schulgeld in dieser Fabrik zu verdienen. Da der Premier dermaßen unter Druck gesetzt wurde, musste er sich sogar kurze Zeit später öffentlich entschuldigen.
Zum Schluss lässt sich sagen, dass die chinesische Regierung das Internet wohl nie völlig kontrollieren wird, da die Regimegegner immer wieder neue Wege finden werden, um ihre Meinung frei zu äußern.

Quelle: www.epo.de

veröffentlicht von Stefanie
Mittwoch, 20. Juli 2005, später Nachmittag - Unterricht - aktuell

Ein-Kind-Politik

In der Volksrepublik China wurde ab 1970 die Ein-Kind-Politik (davor wurde eine "Zwei-Kinder-Politik" versucht) eingeführt, um das extreme Bevölkerungswachstum einzudämmen. Zum Teil empfindliche Geldstrafen drohen in diesem Zusammenhang bei Missachtung der folgenden Regeln:
1. Das Ehepaar benötigt eine Heiratserlaubnis; die Frau muss zudem einen Nachweiß erbringen, dass sie mit den Verhütungsmethoden vertraut ist.
2. Das Mindestheiratsalter liegt für Frauen bei 23 Jahren und für Männer (auf dem Land) bei 25 Jahren bzw. 26 Jahren (in der Stadt).
3. Das Kind muss bei der jeweiligen Behörde beantragt werden.
4. Betriebe (teilweise auch Wohngebiete) bekommen Geburtenquoten zugeteilt, dabei haftet der gesamte Betrieb bei Nichteinhaltung.
Zudem wurden Abtreibungen und Sterilisationen vom Staat erzwungen.
Mit der Zeit hat sich aber gezeigt, dass sich die Ein-Kind-Politik nur in den Städten durchgesetzt hat bzw. durchsetzen ließ. In den ländlichen Regionen dagegen dürfen Bauernfamilien auch ein zweites Kind bekommen, wenn das erste z. B. ein Mädchen ist, da oftmals die starke (helfende) Hand eines Sohnes benötigt wird. (Darüber hinaus sind die in China lebenden nationalen Minderheiten grundsätzlich von dieser Politik nicht betroffen.)

Von 1994 bis 2004 soll es, laut den Angaben der chinesischen Regierung, zu 300 Millionen weniger Geburten gekommen sein. Die Regelung wurde deshalb im April 2004 (erneut) gelockert: Geschiedene dürfen nun (z. B. in Shanghai) neben ihrem ersten Kind aus erster Ehe auch ein zweites in der neuen Ehe bekommen.
Die Ein-Kind-Politik hat viel Kritik, Spannungen und soziale Probleme mit sich gebracht. Eines dieser Probleme ist zum Beispiel, dass in den Städten eine Generation von Einzelkindern (die "kleinen Kaiser") entstanden ist, die sehr verwöhnt wurden und somit wenig Sozialkompetenz entwickeln konnten. Deutlich bemerkbar hat sich auch die Überalterung der Gesellschaft gemacht, was in 30 oder 40 Jahren zu massiven Problemen in der Renten- und Gesundheitsversorgung führen wird. Außerdem macht sich (langsam) die "Knappheit" der weiblichen Kinder und somit die "Knappheit" der Frauen in der neuen Gesellschaft bemerkbar, da Ehepaare eher zu einem Sohn als Nachkommmen tendieren.

Quelle: wikipedia.de

veröffentlicht von Sener