„Ohne Rücksicht auf Verluste…“
Seit Jahrzehnten wollte jeder chinesische Herrscher den gewaltigen Jangtsekiang bändigen, doch erst 1944 wurde die US- Behörde damit beauftragt einen Staudamm zu entwerfen. Das Vorhaben wurde jedoch zunächst durch den Bürgerkrieg gestoppt und erst 1958 von Mao Zedong (Vorsitzender der kommunistischen Partei) wieder ins Leben gerufen. Diesmal scheiterte das Projekt an den immensen Baukosten.
Elf Jahre später wurde es durch die Provinz Hubai wieder zur Sprache gebracht, allerdings von Mao Zedong aus politisch- militärischen Gründen abgelehnt. Als Ersatz ließ er den 40 km südlich der drei Schluchten gelegenen Staudamm Gezhouba bauen. Deng Xiao-Ping (Vorsitzender der kommunistischen Partei nach Mao Zedongs Tod) schaffte es dann schließlich 1986, dass das Drei-Schluchten-Projekt dem Nationalen Kongress zu Vertiefungsstudien vorgelegt wurde und das chinesisch- kanadische Konsortium mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt wurde, welche die Weltbank und die kanadische Regierung finanzierten.
Durch das Tian’anmen-Massaker (= gewaltsame Beendigung der monatelangen Besetzung des Platzes des himmlischen Friedens am 04. Juni 1989), wurden Gegner des Staudamms mundtot gemacht, und von da an wurde jede Kritik verboten. 1992 genehmigte der Volkskongress das Vorhaben jedoch mit einem Negativ-Rekord. Ein Drittel der Stimmberechtigten stimmten nicht dafür, durften aber auch keine Kritik äußern. Ministerpräsident Li Peng duldet keinen Widerspruch, er will das Projekt ohne Rücksicht auf Verluste durchführen.
Die Probleme dabei sind einerseits die Millionen Tonnen Treibsand und Sedimente, die der Jangtsekiang jedes Jahr mit sich führt, denn durch den Damm wird die Selbstreinigung des Flusses verhindert. Dadurch wiederum vermindert sich die Staukapazität erheblich, denn bisher hat man das Problem der Versandung auch beim Gezhouba nicht lösen können. Zusätzlich sind über 3000 Tier- und Pflanzenarten bedroht, aufgrund der Zerstörung ihres Lebensraums, wobei 22 Arten auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten stehen. Andererseits ist die Einsturzgefahr in einem, durch die Wassermassen und durch das hohe Gewicht das Damms, erdbebengefährdeten Gebiet erhöht und im Falle eines Dammbruch würden bis zu einer Millionen Menschen ihr Leben verlieren.
Wenig beruhigend lautet eine Prognose zu diesem Projekt:
“Wenn alle Sicherheitsmaßnahmen beim Bau sehr genau eingehalten werden, sei das Risiko eines Dammbruches so groß wie dasjenige eines sogenannten GAUs in einem Atomkraftwerk.”
Quelle: www.bp-reiseberichte.de
