Wird die Welt chinesisch?

Zwischen Angst und Schwärmerei

Da ist einerseits die Furcht vor den Facharbeitern, die für einen halben Euro pro Stunde Qualitätsarbeit leisten. Da ist andererseits die Begeisterung für die größte Nation der Erde, in der jeder flexibel ist und mehr als neunzig Prozent von sich sagen, sie blickten optimistisch in die Zukunft.
Beides, die übertriebene Angst und die distanzlose Schwärmerei, verschleiern den Blick auf die realen Herausforderungen. Längst ist China mehr als eine Werkbank der Welt, das Land wird zur Innovationsquelle. Weder soziale Not noch politische Diktatur sind damit vergessen. Doch sowohl als Idee wie auch als reale Kraft verändert China die Welt, in der wir arbeiten, studieren, konsumieren.

Von Uwe Jean Heuser. In: Die ZEIT, Nr. 25, 2005, S. 21.

Wir wollen in den kommenden Unterrichtsstunden ein möglichst unverschleiertes Bild Chinas gewinnen.
Dazu dient uns nicht zuletzt die aktuelle ZEITreihe über den "asiatischen Riesen", die vor einigen Wochen u. a. mit den Artikeln "Wird die Welt chinesisch?", "Müntefering soll mal herkommen" und "Alle Macht geht vom Forscher aus" gestartet wurde.

Darüber hinaus stellen ältere ZEITartikel zum Thema Wirtschaftsmacht China ebenfalls sehr lohnenswerte Lesestoffe dar:

2 Kommentare zu “Wird die Welt chinesisch?”

  1. Jens-Olaf schreibt:

    Meine Prognose: Vorübergehend mag das Billiglohnland eine Rolle spielen. Nehmen wir das Nachbarland Korea als Beispiel. 50er Jahre Koreakrieg, sehr landwirtschaflich geprägt ist der Süden, total verarmt. In den 70er enstehen riesige Staatsbetriebe, in der Textilindustrie wird unter unmenschlichen Bedingungen gearbeitet. Heute: Das Lohnniveau ist zum Teil westlich, zumindest das Realeinkommen oder die Kaufkraft. Und die Arbeiter fordern ihren Teil, das sieht aus gewerkschaftlicher Sicht dann so aus:
    URL vorübergehend nicht geschaltet! (Um die Beweggründe für diesen Schritt zu erfahren, bitte hier nachfragen.) A. Gohlke

  2. Jens-Olaf schreibt:

    O.K., die Webseite mit dem Link zeigt einige Photos von Daewoo-Arbeitern in Korea beim Sit-In, während die Polizei ziemlich brutal gegen diesen Protest vorgeht. Was ich damit sagen wollte, ist folgendes: Das Bild vom Billiglohnland als Bedrohung wird fast auf jedes aufstrebende asiatische Land angewendet. Und zwar seit Jahrzehnten. Aber das ist nur eine Zwischenperiode, deswegen sind wir bisher weder japanisch noch koreanisch noch taiwanesisch geworden. Stattdessen gibt es in diesen Ländern die gleichen oder ähnliche Vorbehalte gegen die Globalisierung wie hier in Deutschland. Mittlererweile wandert die Billiglohn- Textilindustrie schon weiter. Sie verschwindet immer als erstes, wenn die Wirtschaft und Löhne richtig loslegen. In kaum zehn Jahren werden wir möglicherweise dann die Frage stellen: Wird die Welt indisch? Und zum Schluss in zwanzig Jahren: Wird die Welt afrikanisch?

Schreiben Sie eine Antwort