Archiv für Mittwoch, 1. Juni 2005

Mittwoch, 01. Juni 2005, gegen Abend - Unterricht - aktuell

“lean” oder “learn”?

So oder ähnlich lautete vergangenen Dienstag die “zentrale” Frage im Zusammenhang mit Maxies Referat. Nach eingehendem Studium diverser Lexikas und nach mühevollem Hervorkramen sämtlicher wirtschaftsgeographischer Aufzeichungen, die ich noch aus meiner Uni-Zeit aufgehoben habe, gibt es nun keinen Zweifel mehr.
Es existiert allein der Begriff “Lean Production” [engl. “schlanke Produktion”]. Dabei handelt es sich um einen Produktionsansatz bzw. eine Unternehmensstrategie mit dem Ziel, Zeit und Kosten (auch Personalkosten!) in Entwicklung und Produktion zu minimieren. Merkmale der aus Japan “stammenden” Lean Production sind u. a.:

  • Teilfertigung in kleineren, flexibleren Arbeitsgruppen, die zur kontinuierlichen und eigenverantwortlichen Qualitätssicherung angehalten sind
  • Beförderung von Entscheidungsprozessen durch verbesserte Kommunikation zwischen Managern und Produktionsteams
  • Abbau von hierarchischen Betriebsstrukturen mit dem Ziel gruppenzentrierte Führungsstrukturen zu schaffen
  • Reduzierung der Lagerzeiten und -kosten (Just-in-time-Fertigung)
  • Verringerung der Fertigungstiefe durch outsourcing (= Auslagerung von bisher im Unternehmen selbst erbrachten Leistungen an externe Auftraggeber, um Kosten zu reduzieren)

Das klingt soweit ganz gut (für die Unternehmer). Bei anhaltenden Rationalisierungen führt diese Unternehmensphilosophie allerdings zu verstärktem Personalabbau. Dadurch kann eine ganze (Arbeits-)Gruppe unter Druck geraten, denn nach dem sog. “Null-Fehler-Prinzip” wird bei Fehlern nämlich der Fertigungsprozess unterbrochen, wobei bei personellen Engpässen andere Arbeiter der Gruppe einspringen müssen. Damit schafft Lean Production einen durchaus starken, jedoch - sozialpolitisch gesehen - wenig sensiblen “Motivationsanreiz”, die Arbeitsgestaltung stets so zu verbessern, dass die Arbeit unter Beibehaltung (bzw. Steigerung) der Qualität bei jedweder Personalstärke zu leisten ist.

(Beinahe hätte ich es vergessen: Der Begriff “Learn Production” ist nirgendwo zu finden. Es gibt jedoch “Learn Management” und “learning by doing”, aber eine “Lernproduktion” ist mir im Zusammenhang mit Unternehmensstrategien noch nicht untergekommen. Man darf mich allerdings gern eines Besseren belehren.)

Quellen:
Leser, H. (1997): Diercke-WörterbuchAllgemeine Geographie. Eintrag “Lean Production”. München: Deutscher Taschenbuch Verlag. S. 463.
Die Zeit (2005): Das Lexikon in 20 Bänden. Band 08, Eintrag “Lean Production”. Hamburg: Zeitverlag. S. 528.

veröffentlicht von A. Gohlke