Präsidentschaftswahlen in der Ukraine
In seinem Referat zur ukrainischen Landwirtschaft hat Bruno im Rahmen der geschichtlichen Entwicklung der Ukraine zum demokratischen Staat die Präsidentschaftswahlen des Jahres 2004 erwähnt, in denen "Wiktor Juschtschenko als Sieger hervorging".
Aufgrund dessen habe ich diesen ukrainischen Politiker und das ganze "Drumherum" dieses hitzigen Wahlkampfes vor knapp einem halben Jahr (27. Dezember 2004) etwas genauer unter die Lupe genommen: Wer ist dieser Wiktor Juschtschenko und welche Rolle spielt er in dieser Wahl und für die (politische) Entwicklung des Landes? Der Präsident des seit 1991 unabhängigen Staates der Ukraine gehört der liberaldemokratischen Partei an. In Verbindung mit seiner Präsidentschaftswahl steht die so genannte "orangene Revolution", in der Juschtschenko Zentralfigur und Identifikationspunkt für viele junge demokratische Ukrainer darstellte. Dennoch verlor der "Gutmensch, der nicht nur das Gute will - was banal wäre - sondern es auch mit guten [friedlichen!] Mitteln erreichen möchte", an Ansehen, wohl auch an Autorität, schienen seine Ideale in Zeiten von Terrorismus, Tyrannei, Angst und Diktatur in vergangener Zeit (nicht zuletzt durch die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA) unerreichbar, fast schon naiv. Dabei konnte man diese Entschlossenheit und den demokratischen Kampfgeist dem 50-Jährigen nicht immer zuschreiben. In jungen Jahren duldete er widerstandslos die Diktatur der Sowjetherrschaft, trat sogar als Mitglied in die kommunistische Partei ein, während er heute, am Westen orientiert, einen mittelfristigen EU-Beitritt der Ukraine fordert.
Entgegen Wiktor Juschtschenkos Interessen gilt sein Wahlgegner Janukowitsch, von Russlands Präsident Putin befürwortet, als ein "Politiker, der den russischen Interessen der Region entsprach."
Die Ukraine sah sich mit dieser Wahl vor die Entscheidung gestellt, sich auf die westliche europäische oder die russische Seite zu begeben, weshalb das Ereignis dieses "Feuer" und leider auch die vielen negativen Begleiterscheinungen mit sich brachte: man sprach von Seperatismus- und Sezessionsdrohungen von russischer Seite, ebenso sind Schlagwörter wie "künstlicher Sieg", "Korruption", "Einfluss aus Brüssel", "Wahlmanipulation" und "Straßendemonstrationen" in diesem Zusammenhang zu nennen. Diese Unruhen, die Teile des Landes beherrschen, lassen sich freilich in Zeiten des demokratischen Umschwungs in der Ukraine nicht leugnen, ebenso wenig wie der Vergiftungsanschlag auf Wiktor Juschtschenko in der Phase des Wahlkampfes. Trotz allem will und wird der ukrainische Präsident nach eigenen Angaben seiner bisher durchgeführten gewaltlosen demokratischen Politik treubleiben und auch der russische Präsident Putin erklärte sich bereits öffentlich zu einer Zusammenarbeit bereit.
Quelle: www.faz.net; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2004, Nr.303, S.3.
