Archiv für Sonntag, 8. Mai 2005

Sonntag, 08. Mai 2005, nachts - Unterricht - aktuell

Bodenzerstörung in Kanada

Seit den 1920er Jahren gab es dramatische Anzeichen für den Qualitätsverlust kanadischer Böden. Im südlichen Prärieraum ("Pallisers Triangle") führte die Winderosion in großen Gebieten zum gänzlichen Verlust des humushaltigen Oberbodens. Anbauflächen mussten zurückgenommen werden und in staatlich geleitete Weidegebiete übergeführt werden.
Man förderte die Anlage von Windschutzhecken und propagierte das "strip farming", bei dem Anbau und Pflügen/Eggen quer zur Hauptwindrichtung erfolgen. Der Verlust an Bodenfruchtbarkeit, der fast in ganz Kanada bemerkbar war, konnte durch billig zur Verfügung stehende Düngemittel weitgehend ausgeglichen werden. Doch in den 1980er Jahren nahm die Winderosion und die Erosion durch fließendes Wasser bei Starkregen und Schmelzwasserabfluss in vielen Teilen des Landes zu. Untersuchungen ergaben, dass Kanada gegenwärtig die schwerste landwirtschaftliche Krise seiner Geschichte erlebt. Dem Bericht zufolge entstehen den Farmern Kanadas durch die Bodenzerstörung jährlich Kosten, die mehr als eine Milliarde Dollar betragen.
Besonders wichtig erscheint aber der große Druck zur Produktionssteigerung, in den die Landwirte aus ökonomischen Zwängen geraten sind. Hintergrund dafür sind u. a. die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse auf dem nationalen und internationalen Markt, sowie der agrartechnologische Fortschritt. Dabei wurden die Langzeitfolgen des Boden außer Acht gelassen. Doch auch alte Methoden der Bodenbearbeitung, wie insbesondere die Sommerbrache und der Einsatz von Wendepflügen, sind für die Bodenzerstörung verantwortlich, da sie die Versalzung und Erosion fördern. Monokulturen führten zur einseitigen Bodenauszehrung und zum Verlust organischer Substanz; und der Einsatz großer, schwerer Maschinen bewirkte die Bodenverdichtung.

Quelle: Vogelsang, Roland (1993): Perthes Länderprofile Kanada, Klett-Perthes Verlag, S. 77/78

veröffentlicht von Sener