Die Baikal-Amur-Magistrale (BAM)

Die BAM führt als Eisenbahnverbindung 4280 km lang von Bratsk über Komsomolsk bis nach Sowjetskaja Gawan an der Amurmündung, z. T. 500 km nördlich der Transsib.
An ihr wurde seit 1974 gebaut, ihre Kosten werden auf wenigstens 10 Mrd. Rubel geschätzt. Man geht heute davon aus, dass die Baikal-Amur-Magistrale jährlich ca. 1,15 Mrd. Rubel verschlingt. Sie ist ohne Zweifel das gewaltigste technische Großprojekt der späten Sowjetunion.

von Petra Müller, KLETT-PERTHES
Ziele der BAM
Einerseits sind mit dem Bau der BAM nützliche Ziele verbunden, andererseits kann sie als Gigantomanie- und Prestigeobjekt von Leonid Breschnew betrachtet werden, der sich mit dieser Bahn ein Denkmal setzen wollte.

strategisch-militärische Ziele:
• Ein zunehmendes Interesse an den damaligen Gebieten der SU in der Pazifikregion.
• Die BAM liegt nördlich und zentraler als die Transsib, somit sah man sie als Absicherung gegenüber Einflüssen der südlichen Nachbarstaaten.

soziale Ziele:
• Die Erschließung des sibirischen Raumes und eine Besiedlung entlang des Schienenweges.
• Man wollte die Lebensbedingungen Sibiriens durch ein erhöhtes Transportvolumen verbessern.

wirtschaftliche Ziele:
• Geologen vermuteten rechts und links der Trasse ein hohes Aufkommen an Bodenschätzen von etwa 60 Mrd. Tonnen Eisenerz und 88 Mrd. Tonnen Kohle.
• Durch die BAM sollten die Bodenschätze und Waldressourcen genutzt und die Produktivität Sibiriens gesteigert werden.
• Auch außenwirtschaftliche Verbindungen über die Meerhäfen des Fernen Ostens sollten mit der Schienenanbindung einen Aufschwung erfahren.

Schwierigkeiten beim Bau
klimatische Probleme:
Die Strecke der BAM befindet sich in einer Zone unwirtschaftlichen Klimas. Erhebliche Temperaturdifferenzen von über 70 °C zwischen Sommer und Winter stellen höchste Anforderungen an Mensch und Material. Der größte Teil der Strecke verläuft auf Permafrostboden und sumpfiges Gebiet. Im westlichen Teil müssen viele Gebirgszüge und Flüsse überwunden werden. Brücken und Tunnel waren notwenig. Hinzu kommt, dass die Gebiete entlang der Baikalriffzone seismisch aktiv sind.

wirtschaftliche Probleme:
Die BAM ist nur für die Minimalversorgung ausgelegt. Es gibt kaum Stationen. Es fehlen Depots und Reparaturwerkstätten. Die BAM ist nur eingleisig ausgebaut. Eine parallel zur Schiene verlaufende Strasse existiert nicht. Im Fall einer Panne oder dringender Reparaturmaßnahmen ist der Zugang zur Bahn somit erheblich erschwert. Die staatliche Finanzierung für den weiteren Ausbau ist bis 1996 auf Null gefahren.

Umweltprobleme:
Statt des geplanten Tunnels durch das Muja-Gebirge umging man dieses mit einer provisorischen Trasse. Auf diesen schlechten Gleisen drohen immer wieder Züge zu entgleisen. Im Fall eines mit Chemikalien oder Öl beladenen Wagons wäre eine ökologische Katastrophe für das nördliche Becken des Baikalsees vorprogrammiert. Dem Bau der BAM fiel eine weite Schneise wertvoller Hölzer zu Opfer, womit der empfindliche Taigaboden verstärkt dem Wetter und der Erosion ausgesetzt ist.

Weitere Informationen zur BAM finden sich bei J. Grützmacher in Form einer Magisterarbeit bzw. eines weiterführenden wissenschaftlichen Artikels (beide im pdf-Format!).
Eine Abituraufgabe zur BAM wurde beispielsweise in der Abiturprüfung des Leistungskurses Erdkunde (Bayern) im Jahr 2000 gestellt. Diese kann in der aktuellen Ausgabe der Abituraufgabensammlungen des Stark-Verlags nachgeschlagen werden.

Quellen: Klett-Verlag; Universität Tübingen (TOBIAS-lib)

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