Ölscheichtum Kanada
Von Rainer Sütfeld, ARD-Hörfunkstudio New York
Goldgruben sind im Nordwesten Kanadas vier mal vier Kilometer groß und bis zu 80 Meter tief, denn da ruht der Schatz, der die Provinz Alberta zum Ölscheichtum macht. Mit heutiger Technik erreichbar: rund 300 Milliarden Barrel schwarzes Gold. In Sand gebunden mehr als die Ölreserven Saudi Arabiens.
Quellen sprudeln im alten Indianerland allerdings nicht: “Der Ölsand ist wie Sandpapier, er schleift alles weg. Im Sommer ist er klebrig und bleibt tonnenweise an Laufbänder und LKWs hängen. Im Winter ist er hart wie Beton. Sie haben also einen der schlimmsten Stoffe abzubauen, den die Natur je hervorgebracht hat”, sagt Bert McCay. Er kennt seinen Quarzsand seit 40 Jahren und hat miterlebt, wie Krupp-Schaufelbagger am wertvollen Schleifpapier scheiterten. Die technischen Schwierigkeiten waren immens. Und als man sie im Griff hatte, fiel der Ölpreis. Womit der Aufwand, den man treiben musste, um das Öl vom Sand zu trennen, zu teuer wurde.
Förderung wieder rentabel
Doch das ist Vergangenheit, seitdem das hier gewonnen schwefelarme Sweet Crude Öl an den Börsen in New York und London Rekordpreise erzielt. “Um den Gewinn zu erzielen, den Investoren erwarten, brauchen wir einen Barrel-Preis von 20 bis 24 Dollar. Es ist also offensichtlich, dass sehr hilfreich ist, den Ölpreis da zu sehen, wo er jetzt ist”, sagt Syncrude-Chef Jim Carter und kann angesichts der derzeitigen Marktpreise von über 50 Dollar seine Zufriedenheit nicht verbergen.
Bei einer Tagesproduktion von bald einer Million Barrel braucht man keinen Taschenrechner, um den Milliardengewinn zu errechnen, den sich neben Syncrude die Firmen Suncor und eine Shell-Tochter teilen. Am Ende der Autobahn aus Edmonton herrscht Goldgräberstimmung. Die riesigen Aufbereitungsanlagen, deren weißer Wasserdampf meilenweit zu sehen ist, werden ständig erweitert. Kanadas Norden eine Chance für Unternehmer, meint der zuständige deutsche Konsul, Fritz Koenig.
Proteste der Ureinwohner
Bisher hält sich der Protest von Umweltschützern in Grenzen. Die Wiederaufforstung nach dem Abbau, die Wiederansiedlung etwa von Büffelherden wird als vorbildlich angesehen. Doch der unberührte Raum für Kanadas Ureinwohner, so die Stammesälteste Bernadette, ist unwiederruflich dahin: “Wir glauben Mutter Erde darf nicht verschmutzt werden, wir müssen der Natur zurückgeben, was wir ihr genommen haben. Es ist traurig und beschämend, zu sehen, dann jetzt nur noch das Geld regiert.”
Geld, das ihre Eltern und viele ihre Stammesmitglieder ins Unglück geführt hat. Denn die gutbezahlte Vertreibung aus dem Paradies führt zu oft zu Alkohol und Drogen. Ein soziales Problem am Rande neuer kanadischer Boomtowns wie Fort McMurry, wo Immobilienpreise inzwischen so hoch sind wie in Vancouver oder Toronto.
Und ein Ende des Ölrausches ist nicht in Sicht.
Quelle: www.tagesschau.de

25. November 2007 um 12:47
[…] Schon 2005 schrieb der gohlkeweb.com-Blog unter dem Titel „Ölscheichtum Kanada“ dass den ölfördernden Unternehmen Milliardengewinne ins Haus stehen werden, sollte sich der Preis für das Barrel Rohöl auf 50 US-Dollar bewegen. Aktuell bewegt sich der Kurs knapp unter 100 US-Dollar und damit weit oberhalb dieser Barriere. […]